Grauverlaufsfilter in der Landschaftsfotografie

Wozu Grauverlaufsfilter?

Bis vor kurzem hatte ich nie davon gehört. Ich kannte nur Graufilter für längere Belichtungszeiten.
Aber was bitte sind Grauverlaufsfilter und wofür brauche ich die, wenn ich doch Photoshop/Lightroom habe?

Seit dem Landschaftsfotografieworkshop weiss ich jetzt sehr genau, wozu die da sind und dass man die nicht mit Photoshop ersetzen kann.

Theorie zu den Grauverlausfiltern (kurz GND)

Grauverlaufsfilter sind Plastikscheiben mit einer von dunkel bis transparent verlaufenden Lackierung.
Diese werden vor die Kamera gehalten und lassen so unterschiedlich viel Licht an den Fotosensor.
Es gibt die Grauverlaufsfilter in verschiedenen Abdunkelungsstärken (je nachdem wie stark man den Effekt will/braucht).
Ausserdem gibt es sie mit hartem Verlauf für gerade Horizonte (Wiesen, Meer, …) und weichem Verlauf für „wilde“ Horizonte (Baumwipfel, Berge, …).
Mehr Theorie gibt es auf Wikipedia zu den Grauverlaufsfiltern in englisch oder deutsch.

 

[box] Bildlegende von links nach rechts: ohne Filter
So sieht ein GND-Filter aus
mit Filter Bei den unterschiedlich hohen Bergwipfeln empfiehlt sich ein weicher GND[/box]

Fotografieren mit dem GND

Stativ aufstellen, Bildausschnitt wählen, Filter vor die Kamera halten, abdrücken.
Das mit dem vor die Kamera halten ist nicht ganz so easy. Es gibt zwar Haltesysteme aber von denen hat uns der erfahrene Kursleiter Stefan mit guten Argumenten abgeraten. Denn wenn der Filter in diesem Haltesystem montiert ist, wird es schwierig mit dem Drehen des Polfilters, da sich dann der Grauverlaufsfilter auch wieder dreht. Eine weitere Schwierigkeit ist dann das flexible hoch-/runterschieben des Filters ohne an Schrauben drehen zu müssen.
Also hält man den Filter freihand vor das Objektiv, guckt durch den Sucher oder auf das Lifeviewbild und drückt dann ab. Aber auch dass ist noch nicht alles 😉
Der Grauverlaufsfilter ermöglicht das Fotografieren von Szenen mit mehr Bildinformationen also ohne.
Wenn ich beispielsweise die Schattenseite eines Berges fotografieren (wie bei den Bildern oben) will, über dem ein blauer Himmel mit Wolken ist, habe ich ohne Grauverlaufsfilter drei Optionen.

  • Belichtungsmessung für die Wolken optimieren, dann wird der Schattenhang des Berges unterbelichtet
  • Belichtungsmessung für die Schattenseite des Berges optimieren, dann werden jedoch die Lichter der Woken ausbrennen
  • Mehfachbelichtung (1x Himmel und 1x Berg richtig belichten) machen und in Photoshop mittels Ebenenmaske wieder ein Bild bauen.
    Die letzte Methode hat den Nachteil, dass es Zeitaufwändig ist und beim Fotografieren das Ergebnis noch nicht richtig sichtbar ist.

Mittels Grauverlaufsfilter kann ich so vorgehen, dass ich ohne Filter die Belichtungsmessung der Kamera für einen dunkeln Bildteil durchführe.
Dann speichere ich diese Belichtungsmessung, halte den Grauverlaufsfilter vor die Linse bis es passt und drücke den Auslöser. Dadurch wird das Bild optimal belichtet, ohne zu starke Lichter/Schatten.

[box] Bildlegende:
ohne Filter Teilfilter (beim Gras sieht man, dass unten der Filter komplett durchsichtig ist
Bild mit Filter Die Wiese bildet eine harte Linie, somit kam hier auch ein GND-Filte mit hartem Verlauf zum Einsatz[/box]

Herausforderungen beim Fotografieren mit dem Grauverlaufsfilter

  • Es gilt den Filter so zu halten, dass zwar die Filterwirkung auf dem Bild ist aber nicht die Filterhalterung, also die Finger
  • Die Belichtungsmessung braucht viel Übung. Im Kurs zeigte sich, dass bei den Canonkameras der Lifeview die Belichtung ziemlich gut wiedergibt, bei Nikon hingegen die Vorschau masslos überbelichtet ausgibt.
  • Damit das Ergebnis natürlich aussieht, darf der Filter nicht zu stark abdunkeln. Wenn er jedoch zu schwach abdunkelt werden die Wolken überbelichtet.
  • Je nach Motiv und Helligkeitsunterschiede des Bildausschnittes, müssen mehrere Filter übereinandergelegt und vor die Linse gehalten werden. Haltetechnisch kein Problem, aber auch hier braucht es viel Übung und Erfahrung bis es passt.
  • Viele Fotos sahen auf dem kleinen Monitor der Cam noch toll aus auf dem grösseren Monitor zu Hause zeigte sich dann, dass ich mit dem Verlauf den Bildhorizont nicht sauber mit dem Filterverlauf überlagerte, Finger im Bild waren, u.v.m

 

 

Fazit GND Filter

Ich bin begeistert von dieser Technik. Seit dem Kurs denke ich bei Sonnenuntergangszenen: „Hätte ich jetzt diese Filter, könnte ich sowohl den Himmel als auch die Landschaft perfekt belichten und einen Teil der Stimmung einfangen“. Ich betrachte jetzt auch Landschaftsfotos anders und versuche zu erkennen ob sie mit einem GND erstellt wurden oder nicht.
Früher oder später werde ich mir ein Filterset bestellen und darüber berichten.

[box]Beispielbilder mit GND aus dem Kurs:
Schwendisee im Toggenburg
Gegenlichtaufnahme auf dem Winzenberg
„Rückseite“ des Säntis mit Toggenburgerhaus[/box]

 

Fazit Kurs Landschaftsfotografie

Dies ist der letzte Artikel der kleinen Triologie über den Workshp. Hier ist übrigens Teil 1 mit dem Einstieg und Teil 2 zum Thema Polfilter.
Ich möchte dieses Fazit nutzen, um für den Kursleiter, der als Fotograf Jungunternehmer ist, die Werbetrommel zu rühren.
Stefan Forster betreibt unter dem Namen Photocube.ch ein Kurszentrum für Fotografie und Fotoreisen. Dass er nicht nur ein geduldiger, leidenschaftlicher und humorvoller Workshopleiter ist zeigt er auf seiner Webseite stefanforster.com. Dort zeigt er eine Auswahl seiner Fotos von mehreren Kontinenten und ihr werdet bei vielen Bilden entdecken, dass er für seine Bilder erfolgreich den Grauverlaufsfilter verwendet.

Vermutlich nicht mein letzter Kurs bei Photocube.ch, denn es hat Spass gemacht und ich habe viel gelernt und umgesetzt.

[box]Bilder vom Workshop:
Erste Gehversuche mit den GND-Filtern
Unsere Gruppe im Einsatz
Stefan Forster, unser Kursleiter ausnahmsweise mal vor der Kamera[/box]

 

Gastartikel bei der Fotocommunity (Update vom 24.8.2011)

Die Fotocommunity hat mich für einen Gastartikel angefragt. Hat mich sehr gefreut und ich habe mich für diesen Artikel hier entschieden.
Hier im Blog war ich erstaunt dass es zu diesem Artikel keine Kommentare gab. Umso mehr freue ich mich über die Kommentare und unterschiedlichen Meinungen auf der FC.
>>Hier gehts zur Fotocommunity und derArtikelzusammenfassung mit Kommentaren und hier zum kompletten Artikel ohne Kommentarfunktion.

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